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Zugfahrt nach Yangon

Der Tag startete schon sehr früh. Mit einigen Deutschen, welche im gleiches Hostel wie wir übernachteten, verabredeten wir uns zum Sonnenaufgang beobachten. Eigentlich ist es für Touristen verboten auf die Tempel zu steigen, aber die Touristen seien so wichtig als Einnahmequelle, dass ihnen viel gewährt wird. So fuhren wir mit unseren E-Scooter pünktlich los, um einen geeigneten Tempel zu finden. Wir waren ganz und gar nicht alleine. Der Tempel war voll mit schaulustigen Touristen. Leider enttäuschte der Sonnenaufgang etwas. 

Zurück im Hostel konnte ich nicht wieder einschlafen und startete (zum zweiten Mal) sehr müde in den Tag. Da wir uns schon am frühen Nachmittag zum Zugbahnhof aufmachen mussten, entschieden wir (die Schweizer) uns, den Vormittag im Hostel zu verbringen und den Pool zu nutzen. Zum Zugbahnhof mussten wir, da jemand (ich glaube es war Raphi) unbedingt die 17 stündige Zugfahrt von Bagan nach Yangon antreten wollte. Zwei unserer deutschen Freunde empfahlen uns die Fahrt als gute Erfahrung. Da für uns das Reisen insbesondere das sammeln von Erfahrungen ist, stimmten wir zu. Für knapp CHF10 erhält man ein Zugticket in der Upper Class mit einem Bett. Was ein normales Zugticket mit Holzbänken kostet, kann man nur erahnen.

Leider konnten wir das vierer Abteil, es war das einzige und beanspruchte einen ganzen Wagen, nicht alleine beziehen. Zu uns gesellte sich eine Dame, welche jeglichen Kontaktversuch unsererseits komplett ignorierte. Also taten wir das Gleiche und kümmerten uns nicht länger um sie.

Zum Zug gehörte auch ein Train-Waiter, welcher unsere Bestellung für das Abendessen und das Frühstück aufnahm. Auch konnten wir Bier bestellen. Wir mussten das schon im Voraus machen, da es keine Verbindung von unserem Wagon zum Rest des Zuges gab. Pünktlich brachte uns der Waiter das Bier und Abendessen. Schmeckte besser als erwartet.

So tuckerten wir mir ca. 30km/h gemütlich durch das Land. Die Türen und Fenster weit geöffnet, genossen wir den Fahrtwind. Wie häufig kann man sich ein Bier gönnen, währenddessen die Beine aus einem fahrenden Zug hängen? Auch eine Erfahrung.

Schon bald nach dem Essen wollten wir das Licht löschen, da unzählige Insekten den Weg in den Wagon fanden. Als wir unsere Mitreisende darauf ansprach, reagierte sie sehr eigenartig und rastete fast aus. Es sei erst 8pm und somit viel zu früh um das Licht zu löschen. Irgendwann löschte sie das Licht trotzdem und las mit einer Stirnlampe weiter. Geht doch..

Die Nacht würde ich als eher unruhig bezeichnen. Mir war nicht bewusst, dass ein Zug bei 30km/h so stark schaukeln und rütteln kann. Und wie viele Geräusche er dabei machen kann. Die oberen Betten hatten einen fixen Stoffbezug, welcher das letzte Mal vor ca. 30 Jahren gewechselt wurde. Immerhin erhielten wir ein dünnes Tuch, welches als Bettbezug und Decke zugleich herhalten musste. Richtig tief schlafen konnte ich nie. Es war mehr ein eindösen, aufwachen, Position wechseln und wieder eindösen.

Wenigstens war ich genug früh wach, um den Sonnenaufgang zu beobachten. 100 mal schöner als am Tag zuvor, bei dem wir den Aufgang geplante beobachten wollten. Echt ein tolles Erlebnis.

Nach 18 Stunden erreichen wir dann doch endlich den Bahnhof in Yangon (Rangun). Wir konnten unser Gepäck bei einem Hostel zwischenlagern und machten uns auf den Weg zu der berühmten  Shwedagon Pagode. Die Pagode ist mit Goldplatten belegt, welche ein Gewicht von geschätzten 60 Tonnen aufweist. 

Bei unserem Besuch goss es aus Eimern. Alles war überschwemmt. Ein Gewitter zog genau über unsere Köpfe und eine unmittelbare Besichtigung war unmöglich. So verloren wir doch relativ viel Zeit, da wir abwarten mussten. Nachdem das gröbste vorbei war und wir den Tempel besichtigt hatten, fuhren wir mit dem Taxi zurück in die Stadt zu einem Markt. Danach war unsere Zeit in Yangon schon vorbei und wir mussten zum Busbahnhof. Der Bus wird uns zum Inle Lake bringen. Die Fahrt dauert 11-12 Stunden. Mal schauen wie wir die zwei Tage ohne richtiges Bett überstehen.

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Kommentare: 1
  • #1

    Bruno Baviera (Samstag, 15 September 2018 17:23)

    So zu reisen, das wünschte ich dir.