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Ho Chi Minh City (Saigon)

Heute musste ich mich von Sophie verabschieden. Ich wollte mich mit einem potentiellen Käufer treffen. Ich sollte ihn abholen und zu einem Ort bringen, wo er gut eine Probefahrt machen könne. Als guter Verkäufer wollte ich dem natürlich nicht im Weg stehen und machte mich auf den Weg zur Sophie. Aber irgendwie tat ihr die Cho Chi Minher Luft nicht gut. Nebst einem Platten im Hinterreifen, liess sich der Motor nicht starten. Zum Glück gibt es an fast jeder Ecke in Vietnam einen Mechaniker. Die nächste Ecke mit einem Mechaniker war leider einige Minuten zu Fuss entfernt. Ist ja eigentlich nicht schlimm - wenn man nicht ein Motorrad schieben müsste. Schon leicht angesäuert, liess ich mich auf keine Verhandlungen mit dem Mechaniker ein. Er hat wohl schnell gemerkt, dass ich leicht genervt war und verzichtete nach einem Versuch das Verhandeln und ging auf mein erstes Gebot ein. Das Loch im Hinterrad war schnell geflickt und auch eine neue Zündkerze war schnell aufgetrieben. 

Mit der wieder flotten Sophie ging es zum potentiellen Käufer. Skyler, Amerikaner, 26, sechs Jahre Militärdienst ohne Gefechtseinsatz. Kurzzusammenfassung. Flotter Typ. Hab ihm alles gezeigt und er hat sich sogleich in meine Sophie verliebt. Habe ihm gesagt, wenn er sie heute kauft, würde ich ihm gerne mit dem Preis entgegen kommen. Er war dabei und meinte, dass er schon einige Motorräder probegefahren sei, aber keine habe ihn so überzeugt. Da kam doch echt ein bisschen Stolz in mir auf. Wieso auch immer..

Noch schnell bei einem Mechaniker vorbei, um alles zu checken. Dieser meinte, dass die Kette und Zahnrad ausgewechselt werden müssen. Ich meine das war eher Geldmacherei. Skyler bestand drauf. Wir teilten uns die Kosten und ich erhielt für Sophie noch $200. Für zwei Wochen ein Motorrad, 1400km und viel Freiheit für $30 - nicht schlecht, meiner Meinung nach.

Die ganze Geschichte hat sich doch mehr in die Länge gezogen als ich gedacht hätte. Jetzt musste ich mir noch ein bisschen Kultur einverleiben. Im War Remnents Museum konnte ich das gut machen. Auf drei Stockwerken wurden alle Grausamkeiten der Amerikaner aufgezeigt und auch wie die ganze Welt gegen die Amis demonstrierten. Aber wie man so schön sagt: die Gewinner schreiben die Geschichte. Und ich war ja sowieso nicht dabei (zum Glück). Jedenfalls war die ganze Agent Orange Geschichte (Einsatz von giftigen Mitteln zur Entlaubung von Bäumen) nicht ganz ohne. Kinder in der dritten Generation können Folgeschäden davontragen. Auch der Abwurf von unzähligen Bomben auf Vietnam und die umliegenden Ländern war extrem. Viele Blindgänger sind noch heute unentdeckt und drohen Teile der Bevölkerung zu verletzen. 

Dennoch war das Museum den Besuch allemal wert. Insbesondere gefiel mir die Ausstellung in Gedenken an die Kriegsfotografen. Sehr eindrückliche und auch tragische Geschichten.

Nach dem Museumsbesuch musste ich mich mit einem Banh Mi (traditionelles belegtes Baguette (Sandwich)) stärken. Hab ich schon bessere an Strassenständen gegessen.

Nicht nur in Paris ist eine Notre Dame zu finden, sondern auch Ho Chi Minh kann mit einer aufwarten. Zwar kleiner, aber dennoch schön. Gegenüber findet sich das Post Office. Ein altes Gebäude, welches noch immer als Post Office betrieben wird.

Danach genoss ich denn Ausblick auf Ho Chi Minh vom höchsten Gebäude aus. Vom Skydeck des Bitexco Financial Tower aus hat man eine schöne Aussicht.

Auf dem Rückweg zum Hotel schlenderte ich noch durch einen überdachten Markt. 'Sir, sir, wanna Look? Good Price. Cheap. Sir, sir. Have a look.' Allzu lange hält man es da nicht aus. Ich zumindest nicht.

Zum Abendessen gab es in einem BBQ Restaurant Brisket und Rips. Und Bier. Lecker.

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Kommentare: 1
  • #1

    Bruno Baviera (Sonntag, 21 Oktober 2018 08:36)

    Unglaublich dein Händlergeschick. Bald würdest du in diesem Land zu einer wohlhabenden Person, wohl aber auch anderswo.
    Übrigens: Der Abschied von Sophie berührt mich auch. Nur: Gott sei Dank hast du alles ohne Schaden überstanden. Denn es sind die Strassen und ihre Benutzer, die unter den Touristen am meisten Opfer fordern (Laut validierten Statistiken).