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Das etwas andere Weihnachten

Am 23. Dezember starteten wir mit unserer Weihnachtswanderung auf dem Milfordtrack. Der Track gehört zu einem der zehn Great Walks in Neuseeland. Wir mussten, um an den Start des Tracks zu gelangen, eine Bootsfahrt buchen. Anders geht es nicht. Der erste Abschnitt der Wanderung war nur ca. 5km und relativ einfach zu begehen. Da wir die folgenden Tage so wenig Gewicht wie möglich haben wollten, dachten wir uns, dass wir uns am Abend vor Heiligabend ein ordentliches Essen gönnen könnten. So nahmen wir Rindfleisch, Brot, Suppe, Pilze, Saucen und Wein mit. Wir gönnten uns ein Fondue Chinoise. Einige der 37 anderen Wanderer, welche mit uns den Track liefen, warfen uns neidische Blicke zu. Wir dachten uns, dass wir sicher nicht die einzigen seien, die sich ein Festmahl gönnen würden. Aber die meisten assen gefriergetrocknetes Essen. Nach dem Essen gab es den Hut Talk, wo der/die Ranger/in etwas über die Geschichte der Hut oder der Region erzählt. Zudem konnte man Anekdoten hören und wie der Track und das Wetter am nächsten Tag sei.

Nach zwei Liter Wein aus dem Plastikbeutel fühlten wir uns genug entspannt, um zu Bett zu gehen. Es gab zwei Hütten in denen die Schlafräume untergebracht waren. Also je 20 Personen pro Raum. Von den 20 Personen schnarchten etwa fünf selig vor sich her.

Am 24. Dezember waren wir die letzten Wanderer, die sich auf den Weg machten. Einige starteten bereits um 05:00 Uhr. Aber wir holten schnell auf. Der Abschnitt am zweiten Tag war angenehm zu gehen. Viel durch Wald und durch ausgetrocknete Flussbete. Nach ca. sechs Stunden kamen wir in der zweiten Hütte an. Die Beine wurden schon etwas schwerer. Zum Glück konnten wir uns in einem Fluss in der Nähe waschen. Ich war mir nicht sicher, ob das auf der Wanderung möglich sein wird, aber ich war sehr froh mich in dem kalten Nass zu waschen. Zudem tat es den Beinen sehr gut. 

Milford ist bekannt für das hohe Aufkommen von Sandflies, die noch mühsamer als Mücken sind. Ganze Schwärme umflogen uns und setzten sich auf jede freie Stelle Haut. Teilweise liessen sie sich nicht mal von Anti-Insekten-Mittel beeindrucken. Die kleinen Biester sind echt mühsam.

Am Abend setzten sich zwei schwedische Pärchen zu uns an den Tisch. Einer der Männer hatte für kurze Zeit in Basel studiert.

Wir waren doch eher erstaunt, als alle schon wieder sehr früh ins Bett gingen. Auch sonst kam nicht wirklich Weihnachtsstimmung auf. Aber viele feiern schliesslich ja auch erst am 25. Dezember. Die Gruppe war sehr durchmischt. Neben uns drei Schweizern, den vier Schweden, gab es noch Amerikaner, Kanadier, Briten, eine australische Familie und eine neuseeländische Familie. Zudem noch etwa sechs Asiaten, wovon zwei sicher Chinesen waren. 

Am 25. Dezember standen wir um 04:30 Uhr auf, um den Mckinnon Pass zu besteigen und dort den Sonnenaufgang zu beobachten. Wir waren genug früh oben, aber bis die Sonne wirklich hinter den anderen Bergen aufging, war es schon zu hell und nichts mehr besonderes. Was aber besonders war, als wir mit Stirnlampen bewaffnet los liefen, war, dass wir einen Kiwi sahen. Kiwi, das Nationaltier der Neuseeländer und ein Heiligtum, ist sehr selten in der Wildnis anzutreffen. Der Vogel der nicht fliegen kann ist vom Aussterben bedroht. Anscheinend sind die Vorfahren des Kiwis nach Neuseeland geflogen und mussten, dank mangelnder Gefahren am Boden, nicht mehr fliegen und verlernten es. Der Kiwi hat etwa die Grösse eines Huhns, lange Beine und einen langen Schnabel. Da die Europäer Ratten, Opossums und andere kleinere Raubtiere nach Neuseeland brachten, sind die Eier des Kiwis bedroht.

Wir erhaschten nur einen kurzen Blick auf den Vogel und schon war er im Unterholz verschwunden. Viele Neuseeländer sehen in ihrem Leben keinen Kiwi in freier Wildbahn. Also war es schon fast ein kleines Weihnachtswunder, dass wir am 25. Dezember erleben durften.

Ein anderer Vogel, mit welchem wir Bekanntschaft machten, war der Kea. Eine Papageien-Art. Er gilt als einer der intelligentesten Vögel. Der Ranger erzählte uns, dass man mit ihnen spielen kann, indem man einen kleinen Stein auf den Tisch legt. Der Kea würde ihn dann herunter werfen. Die Prozedur kann einige Male wiederholt werden, bis er die Lust daran verliert. Zudem Klaut der Kea gerne Schuhe oder die Innensohlen der Wanderschuhe. So wurde uns angeraten, alle Schuhe und Kleidung in die Hütten zu nehmen. Früher hätte es gereicht, wenn die Dinge aufgehängt wurden, aber vor einiger Zeit habe der Kea gelernt auch diese Dinge zu erreichen. Er ist zudem sehr geschickt mit seinem Schnabel. Wir durften beobachten, wie er auf einem Tor sass und das Schloss mit dem Schnabel entriegelte und sich abstiess. Unglaublich. 

Nach einem Frühstück auf dem Pass, durften wir fast 1000 Höhenmeter hinabsteigen. Unten angekommen, gab es noch einen Sidetrack, den man zu einem Wasserfall machen konnte. Der Wasserfall war über 500 Meter hoch und es lohnte sich die zusätzliche Stunde Wanderung auf sich zu nehmen. Der Wasserfall ist der höchste in Neuseeland. Gegen 13:00 Uhr trafen wir dann in der letzten Hut ein. Nach einem schönen Bad im eiskalten Fluss, fühlten wir uns wieder frisch, aber auch ein wenig müde. Da ein Aufenthalt im Freien fast unmöglich war, da man ansonsten von den Sandflies aufgefressen würde und der Aufenthaltsraum erdrückend heiss war, musste wir uns fast auf die Betten legen. Mit der Zeit trudelten die anderen Wanderer ein. Nur ein Pärchen war immer erst spät am Abend in den Hütten angekommen. Was sie so lange auf dem Weg gemacht haben, wussten wir nicht. Sie blieben sowieso mehrheitlich für sich.

Für den letzten Abschnitt waren eigentlich sechs Stunden eingerechnet, aber der Ranger meinte, dass man für die 18km eigentlich nur ca. fünf brauchen würde. Da wir sowieso eher schnell unterwegs waren, mussten wir auf dem letzten Abschnitt immer wieder Zeit totschlagen (und viele Sandflies). Der letzten Posten auf dem Track hiess ‚Sandfly Point‘ - wie passend. Mit dem Schnellboot ging es in 5 Minuten zum Milford Sounds. Dort hatten wir eine Schiffsfahrt gebucht, um die Milford Sounds anzuschauen. Es war sehr windig, aber beeindrucken. Und die Biere, die wir uns gönnten, hatten wir uns redlich verdient. 

Es war eine sehr schöne Wanderung, die sehr abwechslungsreich war und viel zu bieten hatte. Wir hatten zudem sehr viel Glück mit dem Wetter, da es in den Fjordlands normalerweise sehr viel regnet. Durchschnittlich gibt es 200 Regentage pro Jahr. Wir hatten keinen einzigen Tropfen. Ich denke, wenn das Wetter nicht so hervorragend gewesen wäre, dass es sicher anstrengender und im Allgemeinen nicht so beeindruckend gewesen wäre, da einem teilweise die Aussicht verwehrt geblieben wäre. Wir waren auf jeden Fall sehr dankbar für das Wetter. Ein besseres Geschenk hätten wir uns für Weihnachten fast nicht wünschen können.

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Kommentare: 2
  • #1

    Bruno Baviera (Donnerstag, 27 Dezember 2018 12:31)

    Ja, ja, der Neid des Nächsten kann einem zur Freude gereichen (Text)..
    Übrigens: Dazu muss aber genügend vorgesorgt werden.

  • #2

    Bruno Baviera (Donnerstag, 27 Dezember 2018 12:34)

    Ja, ja, da gibt es schon seltsame Vögel (C/1).
    Übrigens: Auch unter den höheren Säugetieren, wie etwa den Menschen.